VoIP "Telefonnummern"

Auch VoIP benötigt Teilnehmerkennungen, die für die Adressierung einer Gegenstelle, die man anrufen möchte, verwendet werden können. Das SIP-Protokoll verwendet URIs (Uniform Resource Identifiers), die eine Nutzerkennung und eine Domain enthalten. SIP-URIs sind ähnlich aufgebaut wie und in vielen Fällen gleichnamig mit E-Mail-Adressen im Internet.

Beispiele:

  • sip:62200222@sipgate.de
  • sip:Benutzername@EigeneDomain.tld
  • sip:julia.mustermann@uni-stuttgart.de
  • sip:nana@192.168.0.28
  • sip:gandalf@10.0.0.2:5070
  • sip:10.0.0.30

Ein SIP-Client (z.B. ein IP-Telefon oder ein VoIP-Gateway) verwendet diese URIs, um einen Server zu identifizieren, über den der genannte User erreicht werden kann. Erhält der SIP-Client diese Informationen, so kann ein Anruf an die Gegenstelle erfolgen.

Parallel dazu werden auch gewöhnliche Telefonnummern verwendet, die über ENUM auf SIP-URIs abgebildet werden können. Erfolgt also ein Anruf von einem VoIP- und ENUM-fähigen Telefon, so kann dieser direkt und kostenfrei durchgeführt werden. Erfolgt der Anruf über Festnetz, so muß ein Provider diesen auf der jeweiligen Festnetznummer entgegennehmen und als SIP-Anruf weiterleiten. Die Technik hierzu ist in einem separaten Artikel über ENUM-Einträge dargestellt.

Analog werden so auch Anrufe, die per VoIP getätigt werden, jedoch als Gegenstelle eine klassische Festnetznummer haben, von einem Provider weitergeleitet. Diese Weiterleitung wird auch als „Termination Service“ bezeichnet.

an Festnetznummer an VoIP (SIP-URI)
von Festnetznummer kostenpflichtig
über das Festnetz
kostenpflichtig
über einen VoIP-Provider
von VoIP (SIP-URI) kostenpflichtig
über einen VoIP-Provider
kostenfrei und direkt
über das Internet

Das Schöne daran ist, daß Anrufe von SIP-URI zu SIP-URI über das Internet für beide Parteien kostenlos sind.

SIP URIs im Detail

SIP URIs verwenden eine URI-Syntax, die eine Reihe optionaler Parameter erlaubt:

proto:[user[:password]@]host[:port][;params][?headers]
  • proto: Das zu verwendende Protokoll sip oder sips. SIPS verwendet Verschlüsselung im Gegensatz zu SIP.
  • user: Eine eindeutige Identifikation des Angerufenen auf dem Zielsystem. Sofern das Zielsystem keine Nutzer unterscheidet, kann die Angabe auch entfallen. Ein Passwort kann in diesem Fall nicht mit angegeben werden.
  • password: Ein Passwort wird i.a. nicht angegeben, sondern über die Authentifikation im SIP-Protokoll selbst ausgetauscht. Im Falle von SIP (unverschlüsselt) wäre die Übermittlung von Passworten auf diesem Wege höchst unsicher.
  • host: Eine IP-Adresse oder ein Domainname, der eine Domain oder ein Zielsystem identifiziert. Die Bestimmung des tatsächlichen SIP-Servers, der durch die URI referenziert wird, erfolgt ggf. anhand von DNS-Lookups von SRV-Records.
  • port: Eine Portnummer, an die die Anfrage zu senden ist. Ist ein Port angegeben, so wird gewöhnlich kein SRV-Lookup durchgeführt und im „host“ Feld wird der Name eines Zielsystems erwartet.
  • params: Weitere SIP-Paramter können direkt in der URI spezifiziert werden. Dies ist jedoch unüblich und erfolgt i.a. in den SIP-Paketen selbst.
  • headers: Weitere SIP-Header können direkt in der URI spezifiziert werden. Dies ist jedoch unüblich und erfolgt i.a. in den SIP-Paketen selbst.
 
telefonie/voip/sipuri.txt · Zuletzt geändert: 2007/04/11 09:44 von charles17
 
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