Analoge Technik: Viele Anbieter von Kabel-Internet bieten auch Telefonie über die Kabelmodems an. Dabei unterstützt das Kabelmodem selbst normalerweise über zwei analoge Amtsanschlüsse (FXS) die Telefonie. Das Kabelmodem verwendet separate Datenkanäle auf dem TV-Kabel, um die Telefonie zu übertragen. Dies erfolgt i.a. über H.323 oder MGCP und nicht auf Basis von SIP, so daß es auch nicht möglich ist, einen eigenen VoIP-Gateway für diese Art von Telefonie direkt zu nutzen. Selbst wenn dies aufgrund der Unterstützung dieser Protokolle in einem kundeneigenen VoIP-Gateway prinzipiell möglich wäre, ist es real nicht umsetzbar, da eine Provisionierung durch den Kabelnetzbetreiber erfolgt. Es stehen also normalerweise als Schnittstelle immer nur die analogen Kabelmodemports zur Verfügung (RJ11 oder RJ12 Buchsen).
ISDN-Technik: Kabel-BW bietet seit dem April 2008 ein Siemens-Kabelmodem und seit Mai 2009 ein Stollman-Kabelmodem mit kundenseitiger ISDN-Schnittstelle für einen Aufpreis von EUR 5 p.m. für die CleverKabel-Tarife unter 50 Mbit/s Downstream an (für 50 Mbit/s und mehr wäre ein DOCSIS 3.0 Kabelmodem erforderlich, die genannten Siemens- und Stollmann-Geräte sind jedoch nur DOCSIS 2-Kabelmodems). Bis zu sechs MSN für Telefonie können genutzt werden. Kabel-BW war damit der erste Kabel-Anbieter, der ISDN direkt am Kabelmodem und ohne Umweg über analoge Leitungen unterstützte. Die seit Juli 2009 angebotenen Tarife für 50 und 100 Mbit/s Downstream basieren auf DOCSIS 3.0 und sind daher derzeit nicht mit der ISDN-Option verfügbar.
SIP-basierte Technik: Kabel Deutschland und UnityMedia bieten inzwischen auch SIP-basierte VoIP-Telefonie über das Kabelnetz an. Dabei erfolgt die Übermittlung der Sprachkanäle jedoch nicht über separate Frequenzbänder mit reservierter Bandbreite, sondern innerhalb des Internet-Datenstroms. Da die Kommunikation durch das Kabelmodem priorisiert wird und nur bis zum Gateway beim Kabelanbieter (d.h. nur über dessen eigenes Netz) stattfinden muss, ist die Qualität i.a. dennoch höher als bei Nutzung beliebiger VoIP-Anbieter im Internet.
Eine Übersicht von Telefonanlagen und Besonderheiten am Kabelmodem ist auf einer separaten Wiki-Seite zusammengestellt.
Diese Telefonie ist je nach Tarif mit einer Flatrate buchbar, wobei die Flatrate i.a. nur für pro Leitung gilt. Die zweite Leitung wird normal abgerechnet oder muss separat als Flatrate beauftragt werden. Hier ist vor Nutzung genau der Vertrag zu prüfen, um unerwünschte Kosten zu vermeiden.
Der ISDN-Tarif von Kabel-BW schließt eine Flatrate für beide Kanäle des ISDN-Anschlusses ein.
Wichtig ist auch, daß bei Telefonanschlüssen über Kabel-Anbieter kein Call-by-Call möglich ist (außer über spezielle Sonderrufnummern, die als CallThrough genutzt werden). Es gilt immer der mit dem Kabel-Anbieter vereinbarte Tarif. Manche Rufnummern sind ggf. nicht geschaltet (z.B. 0900, 118x, 012, 032).
Die Tarife der Kabel-Anbieter liegen im allgemeinen für Gespräche außerhalb von Flatrates und Sonderpaketen deutlich über den im Festnetz der Deutschen Telekom per Call-by-Call bzw. den per VoIP-Anbieter erreichbaren Preisen.
Es empfiehlt sich daher, z.B. für Anrufe zu Mobilfunkrufnummern oder ins Ausland, zusätzlich VoIP-Anbieter mit günstigeren Tarifstrukturen zu nutzen.
Analoge Technik: An Kabelmodems sind die analogen Telefonanschlüsse typischerweise mit RJ11-Buchsen ausgestattet, wobei a/b (die signalführenden Adern) die beiden mittleren Adern sind. Telefone, die diesem Standard folgen, können direkt ohne Adapter mit einem einfachen, gerade durchverbundenen Telefonkabel (RJ11-Stecker an beiden Enden) angeschlossen werden. Werden die Kabelmodem-Anschlüsse auf ein Patchfeld geführt, so kann der Telefonanschluss auch in einen entfernteren Raum verlegt werden. Kabellängen mit CAT6 von insgesamt 100 m zwischen Telefon und Kabelmodem sollten kein Problem darstellen, jedoch sind Längen über 25 m aus Gründen der Gesprächsqualität für CAT3-Telefonkabel nicht unbedingt zu empfehlen..
In Deutschland besteht der einfachste Weg für den Anschluss von Telefonen darin, einen TAE-Adapter am Kabelmodem (mit dem Kabelmodem mitgeliefert) zu nutzen, um dort den TAE-Stecker des Telefons einzustecken. So werden Belegungsinkompatibilitäten vermieden. Die meisten Telefone mit RJ11-Steckern passen jedoch aufgrund gleicher Belegung für a/b direkt auf das Kabelmodem.
Für die Konfiguration einer Fritz!Box Fon am Kabelmodem gibt es eine separate Anleitung. Für die Konfiguration der Rufverteilung einer Fritz!Box Fon sind wichtige Punkte hier nochmals zusammengestellt.
ISDN-Technik: An ISDN-Schnittstellen können ISDN-Telefone direkt bzw. analoge Telefone über eine kleine ISDN-Anlage oder einen ISDN-Terminaladapter angeschlossen werden. Der Anschluss erfolgt dabei wie an einem ISDN-Anschluss der Deutschen Telekom nach Anleitung des jeweiligen Geräts.
Von User Pikachu wurden in diesem Thread einige sehr hilfreiche Schaltpläne (TAE-Stecker etc.) eingestellt.
User Telefonmännchen hat hier ebenfalls Schaltpläne- und Schemata eingestellt:
Nachteile der analogen Lösung sind in der Technologie begründet:
Aufgrund der analogen Technik werden bei eingehenden Anrufen keine Zielrufnummern signalisiert, d.h. wird beispielsweise der Anschluss am zweiten Telefonport des Kabelmodems auf den ersten Telefonanschluss umgeleitet, kann ein entgegennehmendes Telefon nicht unterscheiden, welche Rufnummer (die des ersten oder zweiten Anschlusses) angerufen wurde.
Wenn man einen Anruf auf einem ISDN-Anschluss bekommt, dann signalisiert ISDN prinzipiell die Rufnummer der Anrufenden und die angerufene Nummer (MSN). Man kann an einem ISDN-Anschluss (NTBA) dann zwei oder mehr Geräte anschließen, die jeweils für sich konfiguriert haben, auf welche MSN (angerufene Nummer) sie reagieren wollen. Man kann über bis zu zehn MSN an einem ISDN-Basisanschluss verfügen.
Bei analoger Technik wird bei einem eingehenden Anruf nur signalisiert „hier kommt ein Anruf“, jedoch nicht die angerufene Nummer. Es gibt keine MSN. Wären also auf einem (analogen) Port des Kabelmodems vier Rufnummern geschaltet, so kann ein angeschlossenes Telefon nicht unterscheiden, welche der vier Nummern angerufen wurde. Es macht einfach keinen Unterschied zum Fall, in dem nur eine Nummer definiert ist, außer daß man eben unter allen vier Rufnummern diesen einen Kabel-Telefonie-Port ansprechen kann.
Also: hat ein Kabelmodem zwei analoge Telefonieports, so sind nur maximal zwei eingehende Anrufe zu unterscheiden. Nicht drei und nicht vier - egal, wie viele Rufnummern auf diese Ports aufgeschaltet sind.
Eine Lösung wäre die Portierung der Rufnummern (MSN) eines bestehenden ISDN-Anschlussen zu einem VoIP-Anbieter und die Zuteilung neuer Rufnummern durch den Kabel-Anbieter. Dann könnte beispielsweise ein Fax an einen Port des Kabelmodems anschließen und eine bestehende ISDN-Tk-Anlage via geeigneter Fritz!Box Fon an den anderen (mit nur einer analogen Hauptrufnummer). Per VoIP werden die weiteren (Internettelefonie-)Rufnummern (die früheren ISDN-MSN) definiert. Somit kann die Anlage über die neue Rufnummer (via Kabelmodem) plus die alten Nummern (via VoIP) verfügen.
Die Deutsche Telekom AG und ggf. auch andere portieren nur Anschlüsse als ganze Einheiten, d.h. man kann aus einem T-ISDN-Anschluss mit 10 MSN nicht zwei zu einem Kabelanbieter und die restlichen 8 zu einem VoIP-Anbieter portieren. Ein Weg könnte die Gesamtportierung zu einem VoIP-Anbieter und dann eine Teilportierung von dort zum Kabel-Provider sein. Dies sollte jedoch mit dem VoIP-Anbieter vorab geklärt werden.
Alternativ kann man auch zwei Kabel-Telefonie-Ports mit einer der weiter unten genannten Möglichkeiten in eine Tk-Anlage führen. Dabei ist jedoch zu beachten, daß zwei analoge Leitungen nur erlauben, eben zwei eingehende Rufnummern zu unterscheiden.
Analoge Tk-Anlagen können diese Amtsports auch direkt nutzen, wobei die meisten Telefonanlagen jedoch heute nur über einen analogen Amtsanschluss verfügen. Optionen für den Anschluss sind damit:
Verfügt man nur einen analogen Telefonport am Kabelmodem aufgrund des bestellten Tarifs, so dürfte die Variante mit einer kleinen Fritz!Box Fon (siehe oben) die günstigste Option sein, da man so auch VoIP-Anbieter konfigurieren kann und über ein LCR von telefonsparbuch.de ohne spezielle Konfiguration der Tk-Anlage den jeweils günstigsten Weg für Gespräche wählen kann.
Welche Variante mit zwei Leitungen die günstigste ist, sollte anhand der Anforderungen bezüglich Gesprächsvolumen und -zielen sowie parallel erforderlichen Leitungen (incl. VoIP) berechnet werden. Für bestehende Anlagen bleibt eigentlich nur die Option eines Analog/ISDN-Konverters, unter den neuen Anlagen kann man sich nach eigenen Präferenzen eine der oben genannten aussuchen. Für komplexere Lösungen eignet sich die Option mit Asterisk als Plattform.
Prinzipiell verhält sich eine DECT-Basisstation wie eine Telefonanlage mit einem externen analogen oder ISDN-Port. Für den Anschluss von ISDN-DECT-Basisstationen muss also die ISDN-Schnittstelle wie im vorigen Abschnitt beschrieben hergestellt werden. Analoge DECT-Basisstationen schließt man direkt am Kabelmodem an.
Auch hier gilt natürlich, daß die Signalisierung von Gesprächen durch die Anzahl der Leitungen beschränkt ist. Nutzt man nur eine Leitung, so kann man auch nur eine Art von Rufverteilung definieren - typischerweise wird das so sein, daß entweder alle Telefone oder nur z.B. die Basisstation klingelt. Die Möglichkeiten hängen vom jeweiligen Produkt ab. Nutzt man zwei Leitungen, die über einen ISDN-Konverter in eine ISDN-DECT-Basisstation geführt werden, so kann man dort natürlich zwei Rufverteilungen differenzieren.
Normalerweise ist Kabel-Telefonie, d.h. Telefonie über einen analogen Amtsport am Kabelmodem, nicht über ein kundeneigenes, SIP-basiertes VoIP-Endgerät zu nutzen. Will bzw. muss man dies unbedingt tun, so besteht natürlich die Option, im Rahmen einer Flatrate für das deutsche Festnetz eingehende Rufe auf der Kabel-Telefonie-Rufnummer auf eine Festnetznummer bei einem VoIP-Anbieter weiterzuleiten. Ist dieser VoIP-Anbieter in einem VoIP-Endgerät oder -Gateway konfiguriert, so werden alle Anrufe auf die Kabel-Telefonie-Rufnummer automatisch via VoIP signalisiert.
Manche Kabel-Anbieter unterstützen jedoch inzwischen VoIP über SIP/RTP, d.h. können auch in einem VoIP-Endgerät oder -Gateway konfiguriert werden.
VoIP als Ergänzung zu Kabel-Telefonie bietet sich aufgrund der typischerweise bei Kabel-Anbietern unattraktiven Tarife für Gespräche zu Mobilfunknetzen und ins Ausland an.
Unabhängig von der Telefonie wird per Kabelmodem natürlich auch Internet bereitgestellt. Über diese Internetverbindung kann VoIP mit anderen Providern (verschieden vom Kabelanbieter) genutzt werden. Diese Verbindung von VoIP mit Kabelmodemtelefonie ist besonders für Nutzer der Fritz!Box Fon Modelle und Auerswald 50xx Tk-Anlagen interessant, da diese Anlagen beide Optionen unterstützen.
Weiterhin kann man zusätzlich zur Telefonie per Kabelmodem auch einen Festnetzanschluss (z.B. T-Net, T-ISDN oder Arcor-ISDN) als zusätzliche Verbindung nutzen, oder um Call-by-Call für Auslandsziele verwenden zu können. Auch hier sind die Auerswald 50xx Tk-Anlagen interessant, da sie alle diese Optionen in einem Gerät unterstützen und damit für Endanwender die einfachste Bedienung von Amtszugängen ermöglichen. Für umfangreichere Konfigurationen ist allerdings eine Auerswald COMmander Basic.2 erforderlich, da die 50xx Modelle nur eine beschränkte Zahl an Amtsleitungen unterstützen.
Auch ein Asterisk mit FXO-Modulen kann verwendet werden - die Konfiguration ist jedoch nicht Plug-and-Play und sollte nur bei entsprechenden Vorkenntnissen in Angriff genommen werden.