Warum VoIP für meine Tk-Anlage? Was lohnt sich wirklich?

Die Motivation der meisten Nutzer von VoIP ist die potentielle Kostenersparnis gegenüber klassischer Festnetz- und Mobiltelefonie. Die für einen bestimmten Haushalt bzw. ein bestimmtes Unternehmen oder Home Office jeweils „beste“ Lösung hängt immer davon ab, wie viel und wohin jemand in welchem Zeitintervall telefoniert. Man sollte sich zunächst also klar werden, wie das eigene Gesprächsprofil aussieht:

Wie viele Minuten pro Monat gehen wohin (deutsches Festnetz, deutsches Mobilnetz, bestimmte Ziele im Ausland)?

VoIP ist günstiger?

VoIP-Anbieter sind zum Teil günstiger als Festnetzanbieter, da sie für Langstreckenverbindungen nicht an kostspielige Verträge mit Festnetz-Carriern gebunden sind, sondern über das Internet Verbindungen herstellen. In vielen Bereichen sind VoIP-Anbieter jedoch immer noch auch teurer, insbesondere im Vergleich zu Call-By-Call. Ein Preisvergleich und der Einsatz eines Least-Cost Routing für reines Festnetz in der Tk-Anlage kann hier schon wesentliche Einsparnisse bringen. Bei weitem nicht alle Besitzer von LCR-fähigen Telefonanlagen setzen bereits LCR oder Call-By-Call-Vorwahlen systematisch ein, d.h. hier liegt zunächst ein wesentliches Optimierungspotential ohne Investitionen in eine VoIP-Infrastruktur. Die Kostenersparnis kann bei 80-90% alleine mit einem laufend aktuellen LCR liegen.

VoIP kann z.B. durch Nutzung von Flatrates für Gespräche nach Deutschland oder in bestimmte Länder bei ausreichend hohem Gesprächsvolumen die Kosten durch die Deckelung drastisch reduzieren. Man sollte sich hierzu einmal die eigenen Telefonrechnungen der letzten 12 Monate anschauen und den Anteil für Gespräche ins deutsche Festnetz bzw. die jeweiligen Länder, die in der Flatrate enthalten sind, zusammenrechnen und vergleichen.

Generell gilt das Prinzip „wer viel telefoniert, kann auch viel sparen“. :-)

Beispielrechnungen

Beispiel: eine VoIP-Flatrate für EUR 10 entspricht monatlich ca. 1000 Minuten Telefonie ins deutsche Festnetz zu 1 ct/min (ein typischer Minutenpreis für die Abrechnung von VoIP-Gesprächen ins deutsche Festnetz). Telefoniert man deutlich weniger, lohnt sich eine Flatrate wahrscheinlich nicht.

Beispiel: Gespräche ins deutsche Mobilnetz kosten über T-Com über 20 ct/min, per Call-by-Call ca. 10 ct/min und per VoIP ab 14 ct/min. Die Verwendung von Call-by-Call führt hier zu einer Ersparnis von ca. 50%. Wägt man also einen Telefonieanschluß mit Call-by-Call (z.B. T-ISDN mit EUR 24 p.m. Grundgebühr) gegen einen günstigeren ohne diese Option (z.B. Arcor ISDN mit EUR 20 p.m.), jedoch mit der Verwendung von VoIP, ab, so entspricht die Differenz einem Volumen von 100 Minuten. Telefoniert man mehr als 100 Minuten im Monat, so lohnt sich die erhöhte Grundgebühr eines T-ISDN. Telefoniert man sehr viel in Mobilnetze, so ist ohnehin eine Mobil-Flatrate auch eine sinnvolle Option.

Beispiel: betragen die Kosten für die Telefonie über T-Com nach Russland 34 ct/min, über einen Call-by-Call-Anbieter 3,1 ct/min und per VoIP nur 1,2 ct/min, so lohnt sich die Telefonie über Call-by-Call bereits unmittelbar ab der ersten Minute und bietet über 90% Ersparnis. Telefonie über VoIP spart über 96%. Bei einem Gesprächsaufkommen von 300 Minuten im Monat (5 Stunden) entspricht dies anstelle von EUR 102,00 nur EUR 9,30 bzw. EUR 3,60. Dies entspricht einer Ersparnis von ca. EUR 1.100 im Jahr schon alleine durch Einsatz von LCR über Festnetzanbieter und würde die Beschaffung einer neuen, LCR-fähigen Tk-Anlage amortisieren. Der Übergang zu VoIP würde eine weitere Ersparnis von ca. EUR 70 p.a. und entspricht damit den Kosten für einen einfachen VoIP-Gateway.

Kostenanalyse

Es empfiehlt sich also, vor Kauf irgendwelcher Geräte und Abschluß von Flatrates bzw. Kündigung von T-Com Anschlüssen erst einmal das Anrufaufkommen mit Gesprächsminuten im Monat genauer zu untersuchen. Ein Zeitraum von mind. drei, besser 12 Monaten sollte einen repräsentativen Überblick geben. Die Klassifizierung sollte nach den folgenden Gesichtspunkten erfolgen:

  • Ortsgespräche im deutschen Festnetz zur Hauptzeit/Nebenzeit
  • City/Regio/Ferngespräche im deutschen Festnetz zur Hauptzeit/Nebenzeit
  • Mobilgespräche in Deutschland
  • Auslandsrufnummern für die einzelnen Länder aufgeschlüsselt

Bewertet man Gespräche mit den Kosten für die einzelnen Zonen, so kann man durch Verändern der Parameter schnell die Kosten für einen neue Tarifstruktur ermitteln.

In diesem einfachen Excel-Sheet können Gesprächsvolumina je Zeitintervall und Tarife für Telefonie und Internet spezifiziert werden, um die Kosten je Monat zu vergleichen: tarifvergleich.xls

Grundgebühren sollten dabei nicht vergessen werden, denn gerade bei geringen Gesprächsaufkommen stellen diese einen wesentlichen Kostenbeitrag dar.

Beispiel: ein Nutzer von Kabel-Internet und VoIP-Flat für Deutschland für EUR 8,90 im Monat bei einem Gesprächsaufkommen für 1.000 Minuten ins deutsche Festnetz und 240 Minuten ins deutsche Mobilnetz (14 ct/min per VoIP) zahlt somit EUR 42,50 an Gebühren.

Beispiel: ein Nutzer von T-DSL und T-Net (analog) zahlt unter Verwendung von LCR einen durchschnittlichen Preis von 1,3 ct/min ins deutsche Festnetz und ca. 11 ct/min zu Mobilnetzen. Bei dem gleichen Gesprächsaufkommen wie zuvor entspricht dies nur EUR 39,40. Hinzu kommt jedoch der Betrag von EUR 15,95 für den Festnetzanschluß selbst, d.h. in Summe ergeben sich EUR 55,35.

Varianten

Die möglichen Varianten bzw. Komponenten sind dabei im wesentlichen folgende:

Telefonanschluß (Festnetz)

  • T-Net (analog) mit einer Leitung und Festnetznummer sowie Call-by-Call Option
  • T-ISDN mit zwei Leitungen und max. 10 Festnetznummern sowie Call-by-Call Option
  • ISDN von anderen Anbietern mit zwei Leitungen und max. 10 Festnetznummern sowie ohne Call-by-Call Option
  • Telefonanschluß via Kabel-Provider mit 1-2 Leitungen und Festnetznummern ohne Call-by-Call Option

Internetanschluß (Breitbandzugang)

  • DSL mit Bandbreiten von 1-16 Mbit/s Downstream bzw. ab 128 kbit/s Upstream
  • Kabel-Internet mit Bandbreiten von bis zu 20 Mbit/s Downstream bzw. ab 100 kbit/s Upstream
  • Breitbandanschluß eines örtlichen/regionalen Anbieters

Bei Breitband-Internet mit asymmetrischen Bandbreiten ist vor allem die (kleinere) Upstream-Rate von Bedeutung, da sie die Anzahl parallel möglicher Gespräche bestimmt. Wie viele Gespräche tatsächlich per VoIP parallel zu führen sind, hängt von den verwendbaren Codecs ab. Dies ist wird durch VoIP-Provider und -Endgeräte bestimmt. Eine Übersicht typischer Codecs und ihrer Bandbreitenanforderungen erlaubt eine Überschlagsrechnung.

Internet-Tarif

Es lohnt sich, für den Internetzugang eine Flatrate zu beauftragen, da das Datenaufkommen für VoIP so günstiger abgerechnet wird. Bei sehr geringem VoIP-Aufkommen, kann jedoch durchaus auch eine Volumenrate für z.B. 2 GB im Monat ausreichend sein.

Telefon-Tarif

Minutentarife lohnen sich bei stark schwankendem oder geringem Gesprächsaufkommen.

  • Minutentarif über den Festnetzanschluß beim jeweiligen Anbieter
  • Minutentarif über einen VoIP-Anbieter

Das Wiki bietet eine Übersicht für VoIP-Minutentarife.

Flatrates lohnen sich, wenn die Minutenabrechnung typischerweise teurer ist als die gedeckelte Flatrate.

  • Flatrate über das Festnetz (z.B. T-Com oder Arcor)
  • Flatrate über Mobiltelefonie (z.B. BASE)
  • Flatrate über den Telefonzugang bei einem Kabel-Provider (z.B. Kabel BW, ISH, Kabel Deutschland)
  • VoIP-Flatrate gebunden an Zugang über einen Provider (z.B. Tiscali)
  • VoIP-Flatrate frei im Internet von jedem Standort aus verfügbar

Das Wiki bietet eine Übersicht für VoIP-Telefonieflatrates.

Kombinationen

Es empfiehlt sich dann, zusätzlich zur Basisversorgung bei einem oder zwei weiteren VoIP-Anbietern eine Registrierung durchzuführen, um Fallback-Optionen bzw. Alternativen zu haben, insbesondere wenn sich so die Vorteile der Tarifstrukturen ergänzen. Ein Anbieter wird dann z.B. für das deutsche Festnetz via Flatrate verwendet, ein anderer für Anrufe auf Mobilnetze, und ein dritter für bestimmte Auslandsziele.

Da die Zuverlässigkeit von VoIP-Telefonie jedoch heute nicht auf dem Standard der klassischen Festnetztelefonie ist, sollten auch Rückfallpläne überlegt werden für die Fälle, wenn der Breitbandanschluß, der ISP oder VoIP-Provider ausfallen.

Integration mit einer Tk-Anlage

Die Integration einer Tk-Anlage mit VoIP sollte für Nutzer so erfolgen, daß keine Änderungen in der Art erforderlich sind, wie Anrufe zu tätigen bzw. entgegenzunehmen sind, um eine hohe Akzeptanz zu erreichen, jedoch auch Tarifoptimierungen laufend durchführen zu können.

Letztendlich sollte mit der Nutzung von VoIP jeder Teilnehmer an einer Tk-Anlage davon profitieren können.

Wie die Integration durchgeführt werden kann, beschreibt der nächste Artikel. Besondere Überlegungen zu VoIP für Unternehmen berücksichtigen die höheren Anforderungen im kommerziellen Einsatz.

 
pbx/wie/warum.txt · Zuletzt geändert: 2006/05/26 15:49 von gandalf94305
 
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