Tk-Anlage und Breitband-Internet vorhanden - Wie komme ich zu VoIP?

Man sucht sich aus der langen Liste von VoIP-Providern einen oder zwei aus, die günstige oder kostenlose Gespräche dorthin anbieten, wohin man selbst viel telefoniert. Idealerweise sollten das Anbieter ohne Einstiegs- oder monatliche Grundgebühr sein.

Die Qualität von VoIP-Telefonie ist heute nicht auf dem Stand der bestehenden Festnetztelefonie. Daher sollte zumindest ein analoger Festnetzanschluß beibehalten werden, um zuverlässig Telefonie auch bei Ausfall von Internetzugang, ISP oder VoIP-Anbieter nutzen zu können.

Es ist auch nicht empfehlenswert, Notruftelefone ausschließlich an VoIP zu betreiben. Erfolgt als erste Anwahl eine VoIP-Nummer, so sollte als Alternative bei Nichtbeantwortung immer ein Festnetz-Fallback vorgesehen werden.

Letztendlich muß man jedoch zunächst eigene Erfahrungen mit VoIP sammeln, um ein Gefühl für Kosten und Qualität zu bekommen. Danach ist zu entscheiden, welche persönliche Strategie zu verfolgen ist. Die folgenden Schritte erlauben einen risikoarmen Einstieg in VoIP.

Lösung 1 - Einfach mal VoIP ausprobieren

Auf einem PC, der am Breitband-Internet angeschlossen ist, wird ein Softphone installiert. Über ein Headset oder das eingebaute Mikrofon und den Lautsprecher kann man dann telefonieren. Der eingerichtete VoIP-Anbieter stellt dabei auch Verbindungen von Internet-Anrufen ins klassische Festnetz oder Mobilnetz her.

  • Nachteil: der PC muß eingeschaltet sein um zu telefonieren.
  • Vorteil: mit einem geringen Einsatz für Prepaid-Guthaben und ohne neue Hardware-Investitionen kann man loslegen.

Die Tk-Anlage wird in diesem Fall wie bisher parallel betrieben und telefoniert über das Festnetz, ggf. mit LCR zur Kostenoptimierung.

Nach einem Zeitraum von ein bis drei Monaten kann man beurteilen, in welcher Form bestimmte VoIP-Anbieter geeignet sind, ein gewisses Teilvolumen der Gespräche abzuwickeln. Wichtig dabei ist, realistisch unter Kostenaspekten und mit einer genauen Analyse die Entscheidung über die folgenden Schritte zu fällen. Für einen Test und die sporadische Nutzung von VoIP sind keine teuren Geräte und Software erforderlich.

Lösung 2 - VoIP-Gateway ohne Tk-Anlage

Sollen mehrere Geräte an das Breitband-Internet angeschlossen werden, so ist ein Router erforderlich, denn Provider vergeben typischerweise nur eine IP-Adresse, d.h. es kann nur ein Gerät betrieben werden. Möchte man nun PC und VoIP-Gateway oder -Adapter gleichzeitig anschließen, so entscheidet man sich idealerweise für einen VoIP-Gateway, der auch als Router fungieren kann. Ein beliebtes Beispiel hierfür sind die Fritz!Box Fon Produkte von AVM. Weitere Beispiele finden sich in der VoIP-Gateway Übersicht.

Im Fall der Fritz!Box Fon wird diese als Router (und ggf. auch DSL-Modem) an das Breitband-Internet angeschlossen und der PC an einen LAN-Anschluß des Routers. Die Endgeräte der alten Tk-Anlage werden direkt an den VoIP-Gateway angeschlossen (das sind bei einer Fritz!Box Fon 5050/7050 z.B. max. drei analoge Geräte und max. 8 ISDN-Geräte). Für die meisten Nutzer sind diese Telefonzahlen ausreichend, so daß die alte Tk-Anlage einfach entfällt. Der bestehende Festnetzanschluß wird an die Fritz!Box Fon gesteckt, die damit die Option erhält, Gespräche entweder per Festnetz oder per VoIP zu routen. Wahlregeln bestimmen dies.

Betreibt die „alte“ Tk-Anlage mehr Telefone oder beispielsweise Türsprechstellen, so kann man den Überschuß parallel an der Tk-Anlage weiter betreiben und die Telefone, die über den neuen VoIP-Gateway angeschlossen sind, primär für Telefonate, die über VoIP abgewickelt werden, nutzen. Damit ist ein kostengünstiger Einstieg ohne Verzicht auf die Vorteile von VoIP möglich.

Lösung 3 - VoIP-Gateway mit Tk-Anlage

In manchen Fällen ist die bestehende Tk-Anlage unverzichtbar bzw. nicht einfach ersetzbar, z.B. wenn die Tk-Anlage:

  • über mehr Teilnehmer verfügt, als sinnvoll an einen kostengünstigen VoIP-Gateway direkt anzuschließen sind,
  • an einem Anlagenanschluß oder ISDN S2M hängt, der von entsprechenden VoIP-Gateways nicht unterstützt wird,
  • spezielle Endgeräte wie Türsprechstellen oder VoiceMail verfügt, die nicht am VoIP-Gateway angeschlossen werden können,
  • wichtige Leistungsmerkmale besitzt, die am VoIP-Gateway nicht verfügbar sind, z.B. Apothekerschaltungen, Notruffunktionen, LCR oder komplexe Rufweiterleitungen und Gruppendefinitionen

so muß eine Kopplung eines VoIP-Gateways mit der Tk-Anlage erfolgen.

Im einfachsten Fall wird ein VoIP-Gateway zwischen die Tk-Anlage und den Amtsanschluß der Anlage geschaltet, so daß nun über den VoIP-Gateway alle Gespräche wie bisher zum Festnetz durchgeroutet werden können, zusätzlich jedoch auch noch die Option der Nutzung von VoIP für eingehende und abgehende Gespräche besteht.

Alternativ kann man VoIP-Gateways auch als zusätzliches „VoIP-Amt“ an eine Tk-Anlage anschließen und so direkt über ein LCR in der Anlage die Entscheidung des Routings von Gesprächen fällen.

Details zur Konfiguration hängen von VoIP-Gateways und Tk-Anlagen ab und sind im Wiki im Funktionsprinzip sowie für bestimmte Kombinationen von Geräten beschrieben.

Lösung 4 - Router und VoIP-fähige Geräte im lokalen Netzwerk

Eine komplexere Lösung besteht darin, einen Router für den Anschluß an das Breitband-Internet zu verwenden und so ein kleines, lokales Netzwerk zu schaffen, das über den Router mit dem Internet verbunden wird.

Das lokale Netzwerk kann kabelgebunden oder per WLAN realisiert werden. Auch diese Option bieten die genannten Fritz!Box Fon Produkte an (Fritz!Box Fon 7050 bzw. 7170). Es kann jedoch auch ein separater Router eingesetzt werden und die VoIP-Geräte befinden sich im lokalen Netzwerk.

Auf diese Weise lassen sich im lokalen Netzwerk VoIP-Gateways (z.B. Sipura, Grandstream, AVM Fritz!Box Fon), Rechner (PCs, Laptops), Drucker, VoIP-Telefone und andere Ethernet- oder WLAN-fähigen Geräte zusammenschließen. Dies ist deutlich flexibler, jedoch in der Konfiguration aufwendiger.

Im Router sollte berücksichtigt werden, daß verschiedene Dienste eine bestimmte Bandbreite benötigen, um korrekt zu arbeiten, d.h. z.B. sollte VoIP-Verkehr priorisiert werden können. Weiterhin können Portweiterleitungen erforderlich werdne, um eingehende Verbindungen korrekt an die jeweiligen Geräte im lokalen Netzwerk weiterzureichen. Einen Überblick über Router gibt es ebenfalls im Wiki.

Lösung 5 - VoIP-fähige Telefonanlagen

Soll langfristig VoIP als ein Medium für einen signifikanten Teil des Gesprächsaufkommens verwendet werden, so kommen für die technische Umsetzung auch VoIP-fähige Telefonanlagen in Frage. Diese gibt es prinzipiell in drei Ausprägungen:

  • Tk-Anlagen mit VoIP-Modulen sind übliche Tk-Anlagen mit der Option, analoge und ISDN-Endgeräte anzuschließen, die jedoch neben einem klassischen analogen oder ISDN-Amtsanschluß auch über eine VoIP-Schnittstelle verfügen. Damit können eingehende und abgehende Gespräche auch über die konfigurierten VoIP-Anbieter erfolgen.
  • Softwarelösungen werden als Software auf üblicher PC-Hardware betrieben und stellen für die angeschlossenen Telefone (analog, ISDN oder VoIP-Telefone) übliche Leistungsmerkmale bereit. Nach draußen können Voicemail, IVR-Funktionen und Weiterleitungen bzw. CallThrough angeboten werden.
  • Tk-Anlagen als Dienstleistung sind VoIP-fähige Anlagen, die über das Internet den Endkunden bereitgestellt werden. Teilnehmer verbinden sich über VoIP-Telefone mit der Anlage.
 
pbx/wie/start.txt · Zuletzt geändert: 2006/05/26 12:33 von gandalf94305
 
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