Möglichkeiten der Kopplung

Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten:

Ein VoIP-Gateway wird als Amt für die Tk-Anlage eingesetzt. Bei dieser Art der Kopplung wird der VoIP-Gateway als einziger oder weiterer Amtsanschluß für die Tk-Anlage eingesetzt, die dann Gespräche über diesen externen Zugang routen kann. Geeignet ist diese Anleitung für die Kopplung von VoIP-Gateways mit Tk-Anlagen über

  • einen internen S0-Anschluß (VoIP-Gateway) und einem externen S0-Port (Tk-Anlage) bzw.
  • einem analogen FXS-Port (VoIP-Gateway) mit einem analogen FXO-Port (Tk-Anlage).

Bezüglich der Arten von Ports und der dadurch resultierenden Anschlußmöglichkeiten empfiehlt es sich, zunächst die Artikel zu analogen Anschlüssen bzw. ISDN zu lesen.

Ein VoIP-Gateway wird an einer Nebenstelle der Tk-Anlage als Unteranlage eingesetzt. In manchen Fällen ist die Kopplung von Tk-Anlage und VoIP-Gateway über eine Amtskopplung (siehe oben) nicht möglich, z.B. wenn

  • an der Tk-Anlage keine externen S0-Ports mehr frei sind,
  • es überhaupt keine ISDN-Anlage ist, oder
  • der Amtsanschluß ein ISDN-Anlagenanschluß bzw. S2M-Anschluß ist und dies nicht vom VoIP-Gateway unterstützt wird.

Eine Kopplung kann dann in einer weniger effektiven Form, jedoch durchaus sinnvoll nutzbar, durch zwei Analog- oder ISDN-Ports durchgeführt werden, indem der VoIP-Gateway als Unteranlage der Tk-Anlage verwendet wird.

Der bevorzugte Weg ist die erste Variante.

VoIP-Gateway als Amt für die Tk-Anlage: ISDN-Kopplung

Man unterscheidet zwei Varianten bei der Kopplung via ISDN S0:

  • VoIP-Gateway als „Amt“: Hierbei wird der ISDN-Amtsanschluß einer Tk-Anlage vom Provider-NTBA einfach auf den internen S0-Port des VoIP-Gateways umgehängt. Der VoIP-Gateway selbst kann dann entweder über einen analogen Amtsport (ein Kanal), einen ISDN-Port mit zwei Kanälen (z.B. der bisherige Provider-NTBA) oder nur VoIP-Kanäle verfügen. Ein LCR im VoIP-Gateway kann ggf. genutzt werden, um entsprechend günstige Tarife für abgehende Gespräche zu nutzen und die Routingentscheidungen für abgehende Gespräche zwischen Festnetz und VoIP zu treffen.
  • VoIP-Gateway als zusätzliches „Amt“: Hierbei wird ein zusätzlicher Amtsanschluß (externer S0-Port) der Tk-Anlage mit dem VoIP-Gateway verbunden, der dann typischerweise selbst nicht an einem analogen oder ISDN Amtsanschluß hängt, sondern nur für das VoIP-Routing zuständig ist. In diesem Fall sollte die Tk-Anlage über ein LCR für Festnetzanrufe und ein Routing für VoIP-Gespräche verfügen. Der VoIP-Gateway benötigt dann nur noch Wahlregeln, um Ziele zu konfigurierten VoIP-Providern zuzuordnen.

Damit die Verbindung funktioniert, müssen auf dem internen S0-Bus des VoIP-Gateways MSN definiert werden, die in der Tk-Anlage als „Amts-MSN“ verwendet werden können. Eine dafür benutzte ISDN-Karte im PC muss den sogenannten NT-Modus beherrschen, d. h. sie muss sich so wie ein NTBA verhalten können; dies ist bei einfachen, preiswerten ISDN-Adaptern wie AVM-Fritz allerdings nicht möglich.

VoIP-Gateway als Amt für die Tk-Anlage: analoge Kopplung

Die Kopplung über einen analogen Port erfolgt entsprechend durch Verbinden eines externen Analogports der Tk-Anlage (FXO) mit einer analogen Nebenstelle des VoIP-Gateways (FXS). Rufnummern werden über analoge Schnittstellen nicht übermittelt - diese werden nur durch Zuordnung an Nebenstellen festgelegt.

Rufe, die über den VoIP-Gateway eingehen, werden dann an der Tk-Anlage signalisiert und können über CLIP (soweit dies vom VoIP-Gateway unterstützt wird) auch die Anrufernummer übermittelt bekommen.

Abgehende Rufe aus der Tk-Anlage werden an den VoIP-Gateway weitergereicht und können dort über dessen Amtsanschluß (analog oder ISDN) oder VoIP geroutet werden.

VoIP-Gateway als Unteranlage einer Tk-Anlage: analoge Kopplung

Erforderlich:

  • Analoge Nebenstelle der Tk-Anlage
  • Analoger Amtsport des VoIP-Gateways

Der VoIP-Gateway muß hierzu über einen FXO-Port verfügen, an dem ein analoger Anschluß einer Tk-Anlage direkt angeschlossen werden kann. Dies ist mit den üblicherweise vorhandenen FXS-Ports an Tk-Anlagen und verschiedenen VoIP-Adaptern (an die Telefone angeschlossen werden) nicht möglich.

Nachteil dieser Kopplung gegenüber einer Kopplung via ISDN ist das Fehlen von Caller-Id-Informationen, die hier nicht übertragen werden. Eingehende VoIP-Anrufe über den Gateway werden dann als Anrufe von der angeschlossenen Nebenstelle der Tk-Anlage signalisiert - nicht als externe Anrufe.

Das Prinzip der Kopplung ist einfach:

  • Der FXO-Port des Gateways wird mit einem FXS-Port (analog) der Tk-Anlage verbunden.
  • Im Gateway wird konfiguriert, daß eingehende Anrufe an eine bestimmte Nebenstelle der Tk-Anlage zu signalisieren sind. Diese Nebenstelle wird in der Tk-Anlage ggf. als Gruppe definiert, so daß mehrere Telefone klingeln können (oder z.B. Anrufbeantworter und ein Telefon).
  • In der Tk-Anlage wird entweder die Nebenstelle, an der der VoIP-Adapter angeschlossen ist, als VoIP-Gateway deklariert (z.B. bei Auerswald COMmander Basic in Verbindung mit automatischem VoIP-Routing) oder als gewöhnliche Nebenstelle belassen (erfordert dann manuelle Anwahl).
  • Wird diese Nebenstelle automatisch oder manuell gewählt, so erhält man vom VoIP-Adapter einen Freiton und gibt per Nachwahl die zu wählende VoIP-Nummer ein. Diese wird vom VoIP-Gateway interpretiert und gewählt. Die Verbindung bliebt bestehen, solange keine der beiden Parteien auflegt.
  • Legt der Teilnehmer an der Tk-Anlage zuerst auf, so muß der VoIP-Gateway geeignet konfiguriert werden, um diesen Zustand zu erkennen. Dies erfolgt z.B. bei Sipura 3000 über die Erkennung des Disconnect-Tons der Anlage.

Die allgemeine Konfiguration einzelner VoIP-Gateways und -Adapter findet sich im Abschnitt über Router und Adapter. Spezifika für die Kopplung mit Tk-Anlagen sind hier zusammengetragen.

VoIP-Gateway als Unteranlage einer Tk-Anlage: ISDN Kopplung

Die Kopplung via ISDN erfolgt in ähnlicher Weise wie im analogen Fall, jedoch wird hierbei der ISDN-Amtsanschluß des VoIP-Gateways mit einem internen S0-Port der Tk-Anlage verbunden.

Für die Verbindung müssen in der Tk-Anlage MSN vergeben werden, die der VoIP-Gateway als „Amts“-MSN erhält. Je nach VoIP-Gateway sind ein oder zwei Leitungen nutzbar.

Um mit einem Telefon der ISDN-Anlage ein abgehendes VoIP-Gespräch zu führen, muss statt der normalen Amts-Null die MSN der ISDN-Karte im Gateway-PC gewählt werden. Der PC nimmt das Gespräch an, und die VoIP-Zielnummer wird nach einer kurzen Pause per DTMF gewählt, meist mit einer zusätzlichen Raute # als Ende-Kennung.

Wir stöpseln um!

Wichtig: vor jeder drastischen Maßnahme (und das komplette Umstecken des Amtsanschlusses und ggf. von Telefonen an einer Tk-Anlage und einem VoIP-Gateway ist drastisch) sollte man zunächst die bestehende Konfiguration sauber dokumentieren. Das kann eine Skizze auf einem DIN-A4-Blatt sein oder eine Powerpoint-Graphik… Hauptsache, es wird dokumentiert.

Sofern es für die Tk-Anlage ein Konfigurationsprogramm gibt, kann man mit diesem die aktuelle Konfiguration sichern.

In gleicher Weise sollte vor der Herstellung der neuen Konfiguration diese erst mal korrekt aufgemalt werden, um zu sehen, ob alle Kabel, Stecker, Gateways, Router, PCs etc. auch unterzubringen und anzuschließen sind. Es wäre nicht das erste Mal, daß man alles schön unterbringt und feststellt, daß da noch ein Telefon, das man unbedingt benötigt, nicht mehr einen freien Port findet. Damit also die Umkonfiguration keine Reise nach Jerusalem wird, hilft eine übersichtliche Planung. Treten dabei Fragen auf oder hat man Alternativideen, so lassen sich diese natürlich ins Forum einbringen und diskutieren.

Bei der eigentlichen Herstellung der neuen Konfiguration ist gerade in Verbindung mit ISDN-Ports und Tk-Anlagen zu beachten, daß nicht immer alles ausschließlich per Software zu konfigurieren ist, sondern ggf. bei Änderungen von ISDN-Ports von intern nach extern oder umgekehrt auch Jumper oder Brücken umzusetzen sind. Handbücher für die jeweiligen Module oder Tk-Anlagen sind dabei sehr hilfreich.

 
pbx/wie/basics.txt · Zuletzt geändert: 2007/02/18 09:12 von hlm
 
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