Analoge Telefonanschlüsse

Analoge Telefonanschlüsse stellen einen Kanal zur Verfügung, über den ein analoges Signal übertragen bzw. empfangen werden kann. Die Tatsache, daß nur analoge Signale unterstützt werden, erfordert die Codierung von Kontroll- und Steuerinformationen in dieser Form, d.h. als Töne oder Impulse.

Die Übermittlung von Rufnummern von einem Telefon zum Amt oder einer Telefonanlage erfolgt über Impulswahlverfahren oder Mehrfrequenzwahlverfahren.

Die Signalisierung von Zuständen (intern frei, Amt frei, besetzt, …) erfolgt durch Tonsequenzen oder Ansagen (z.B. Teilnehmer nicht erreichbar, Teilnehmer existiert nicht). Diese Tonsequenzen unterscheiden sich in verschiedenen Ländern bzw. bei verschiedenen Tk-Anlagen.

Adressierung von Endgeräten

Geräte an einem analogen Anschluß werden durch eine Nummer identifiziert, die jedoch im Gegensatz zu ISDN nur dazu dient im Amt bzw. in der Tk-Anlage den korrekten Anschluß zu selektieren und Gespräche durchzuschalten. Bei ISDN können einzelne Geräte entscheiden, welche Anrufe anzunehmen sind.

Analoge Endgeräte und Anschlüsse

Geräte in einem analogen Telefonnetzwerk sind

  • TE = Terminal Equipment (Endgeräte), z.B. ein Telefon, Anrufbeantworter oder Faxgerät
  • NT = Network Terminal als Übergabepunkt von einem öffentlichen Netz an Kunden zum Anschluß von TE.

Die Schnittstellen sind dabei

  • FXO - die eines Telefons oder anderen Endgeräts
  • FXS - die eines Amtes oder einer Tk-Anlage, an die ein FXO-Gerät angeschlossen werden kann.

Analoge Anschlußkabel sind gerade durchverbundene (also nicht gekreuzte), Kabel mit typischerweise RJ11- oder TAE-Steckern, bei denen die mittleren zwei Kontakte belegt sind. Es können jedoch auch gewöhnliche CAT5- oder CAT6-Kabel, wie sie für Ethernet-Verbindungen geeignet sind, verwendet werden, wenn die Zuordnung der Kontakte stimmt. Wird die Verkabelung komplexer, da zahlreiche analoge, ISDN und Ethernet Leitungen zu verbinden sind, verwendet man i.a. Kabel in verschiedenen Farben zur Kennzeichnung (z.B. ISDN gelb, Ethernet rot, analog blau).

Qualitätsprobleme bei analogen Anschlüssen

In digitaler Technik können Signale digitalisiert zuverlässig und identisch zwischen den Endpunkten einer Kommunikationsverbindung transportiert werden, d.h. es treten keine Signalveränderungen auf außer durch

  • Datenverluste (bestimmte Datenpakete gehen im Transit verloren und die übertragenen Signale zeigen Aussetzer)
  • Verzögerungen (die Isochronität der Übertragung ist nicht mehr gewährleistet, d.h. die zeitliche Abfolgen von Paketen beim Sender und Empfänger sind verschieden)

In analoger Technik kann das Signal selbst Gegenstand von Veränderungen sein, die beim Sender, beim Empfänger oder im Transit an verschiedenen Stellen auftreten:

  • Rauschen ist ein Störgeräusch bestehend aus einer Bandbreite hoher Frequenzen mit gleichbleibender oder variierender Amplitude
    • Lose Kontakte können ein Rauschen durch Aufnahme vom elektromagnetischer Strahlung aus der Umgebung hervorrufen.
    • Verwendung falscher Impedanzeinstellungen oder Abschlußwiderstände in Telefonen und Verbindungen zu Tk-Anlagen sowie Wanddosen können zu Rauschen führen, da sich Schwingkreise bilden, die durch unterschiedliche, zufällige Frequenzen der Umgebung angeregt werden.
    • Rauschen kann auch durch fehlerhaft isolierte oder geerdete Geräte verursacht werden. Schutzleiterkontakte bei Steckdosen und Steckerleisten können defekt sein. Drehen des Anschlußsteckers um 180° kann helfen, da dann Nullleiter und Phase vertauscht werden.
  • Brummen ist ein Störgeräusch bestehend aus einer Bandbreite niedrigerer Frequenzen mit meistens gleichbleibender Amplitude
    • Eine Stromleitung, die in unmittelbarer Nähe der Sprachleitung verläuft, kann einen 50 Hz Brummton auf die Telefonleitung übertragen. Abhilfe schaffen eine Abschirmung der Telefonleitung sowie die Verlegung von Wechselstromleitungen und Telefonleitungen getrennt voneinander. Ein Abstand von mind. 30 cm wird empfohlen.
  • Knacken ist ein unregelmäßig intermittierend, jedoch nicht periodisch auftretendes, kurzes Störgeräusch, das das Sprachsignal überlagert
    • Kurze, elektromagnetische Impulse aus sich öffnenden oder schließenden Stromkreisen (Schalter, Relais, Heizungssteuerungen, Fernseher, Halogenröhren, …) können Knacken in Telefonleitungen hervorrufen. Eine Abschirmung gegen diese Einflüsse ist praktisch nicht möglich, da die Impulse sehr stark sind.
    • Eine Unterbrechung von Verbindungskabeln (z.B. Wackelkontakt im Kabel zwischen Hörer und Telefon oder zwischen Telefon und Wandsteckdose) kann zu intermittierendem Knacken führen. Ein Tausch der Kabel beseitigt die Störung.
  • Rattern ist ein mit kurzer Periode auftretendes, mit dem Tuckern eines Motors oder Hämmern eines Bohrhammers vergleichbares Störgeräusch, das das Sprachsignal überlagert
    • GPRS/GSM-Signale und andere gepulste Signale (z.B. DECT) führen in unmittelbarer Nähe zu anderen Funkeinrichtungen oder Telefonen zu einer induktiven Übertragung und einem Rattern in Telefonverbindungen. Entfernen des Senders (Handy, DECT-Mobilteil) auf ca. 30-60 cm Distanz sorgt für Ruhe.
    • Fehlerhaft oder nicht synchronisierte ISDN-Anschlüsse können auch zu einem Rattern in Verbindungen sorgen.
  • Pfeifen ist ein hochfrequenter Ton (vielleicht mit einem Anteil Rauschen), ggf. mit Oberschwingungen, die zu einer an- und abschwellenden Amplitude führen
    • Dies kann durch Wechselwirkung mit einem Hochfrequenzgerät, z.B. einem CDROM-Laufwerk, einer Festplatte oder einem Laserdrucker entstehen.
    • Ein einfacher Schwingkreis kann sich aus lockeren Kabelverbindungen in der Nähe von Transformatoren (Netzteilen) bilden, der Signale auf in der Nähe verlaufenden Leitungen beeinflusst.
  • Übersprechen ist eine induktive Wechselwirkung zwischen zwei parallel laufenden Sprachleitungen, deren Signale sich aufeinander übertragen.
    • Die Verbesserunge der Abschirmung einzelner Telefonkabel ist erforderlich, wenn Übersprechen auftritt. Das Verdrillen der Adern gegeneinander soll ebenfalls gegen Wechselwirkungen einzelner Adernpaare helfen. Laufen Adern stattdessen parallel, so können Signale von einem Adernpaar auf ein benachbartes ausstrahlen.
  • Leise Signale sind Zeichen einer Abschwächung oder unzureichenden Verstärkung
    • Die Lautstärke des Mikrofons ist zu gering eingestellt.
    • Kabel sind zu lang oder besitzen einen zu hohen Widerstand.

Rufumleitung (Anrufweiterschaltung)

Die typischen Anrufweiterschaltungen sind

  • sofort (der Ruf wird bei Eingang unmittelbar ohne Signalisierung am ursprünglich adressierten Endgerät weitergeleitet)
  • verzögert (es klingelt zunächst das eigentlich angerufene Endgerät, nach 20 s wird die Weiterleitung initiiert, wenn das Gespräch nicht angenommen wurde)
  • bei besetzt (die Rufumleitung erfolgt nur, wenn die angerufene Nummer besetzt ist)

Anrufweiterschaltungen können erfolgen

  • im Amt (dann kommen Rufe nicht erst zur Tk-Anlage oder dem Telefon des Kunden durch)
  • in einer Tk-Anlage am Amtsanschluß (dann wird bei einer Rufumleitung nach extern der zweite B-Kanal für den abgehenden Umleitungsruf verwendet)
  • in einem Telefon am Amtsanschluß oder an einer Tk-Anlage (dann wird der zweite B-Kanal für den abgehenden Ruf verwendet)

Bei Anrufweiterschaltungen im Amt wird beim Angerufenen die Nummer des ursprünglichen Anrufers angezeigt.

Bei Anrufweiterschaltungen auf Kundenseite (in der Tk-Anlage oder in einem Telefon) wird beim Anrufer eine Festnetznummer des abgehenden Amtsanschlusses angezeigt. Wäre dies nicht so, könnte eine Tk-Anlage beliebige abgehende Rufnummern signalisieren, wenn sie entsprechend konfiguriert wäre.

Leistungsmerkmale bestimmter analoger Anschlüsse

Die Leistungsmerkmale analoger Anschlüsse haben sich inzwischen etwas an die ISDN-Merkmale im Rahmen der Möglichkeiten angeglichen. Ihre Unterstützung hängt jedoch vom jeweiligen Telefonanbieter ab.

Leistungsmerkmale lassen sich per Tastencodes ein- und ausschalten bzw. auch z.T. überprüfen. Die folgende Liste von Funktionen wird z.B. von T-Net analogen Anschlüssen unterstützt.

Funktion ein Funktion aus
Anklopfen (Call Waiting) *43# #43#
Anrufweiterschaltung (sofort) *21# #21#
Anrufweiterschaltung (verzögert, 20s) *61# #61#
Anrufweiterschaltung (bei besetzt) *67# #67#

ISDN an analogen Anschlüssen?

Zur Verwendung von ISDN-Anlagen an analogen Amtsanschlüssen gibt es Analog/ISDN-Konverter:

Weitere Informationen

Historische Hintergründe und technische Details zur analogen Telefonie finden sich in der entsprechenden Seite der Wikipedia.

 
infrastruktur/analog/start.txt · Zuletzt geändert: 2006/03/27 23:20 von gandalf94305
 
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