Einige Modelle aus der Fritz!Box-Familie besitzen nicht nur einen LAN-Port, sondern gleich vier, z.B. die 7170. Da ich selber nur die 7170 „persönlich“ kenne, möge man die nachfolgenden Worte in erster Linie als Anleitung/Beschreibung für dieses Modell verstehen, andere Boxen bitte ergänzen.
Im Normalbetrieb der 7170 arbeiten die vier Ports wie ein normaler Switch, d.h. alle angeschlossenen Geräte befinden sich im gleichen Subnetz und können direkt miteinander kommunizieren. Mit Hilfe der Originalfirmware von AVM ist es aber auch möglich, den LAN 1-Port als WAN-Port zu nutzen (im Webinterface „Internetzugang via LAN 1“ auswählen), z.B. wenn man die Box an einem Kabelmodem o.ä. betreiben will. Dazu wird der Port von den verbleibenden drei Ports getrennt und wird als seperates wan-Netzwerkdevice von der Firmware entsprechend konfiguriert.
Das ist möglich, da in der Fritz!Box ein konfigurierbarer 5-Port-Switch eingebaut ist: vier der Ports sind als LAN 1 bis 4 nach außen geführt, am fünften hängt die eigentliche Fritz!Box, sprich die CPU. Leider bietet AVM im Webinterface keine Möglichkeit, die Ports weitergehend individuell zu konfigurieren. Da dies in bestimmten Fällen aber sehr hilfreich wäre, entstand das kleine Tool cpmaccfg. Es kann via Telnet/SSH-Zugang auf der Fritz!Box ausgeführt werden.
AVM hat die Schnittstelle für die Switchkonfiguration in den Linux-Netzwerkkartentreiber (avm_cpmac) eingebunden, offenbar gibt es da eine „alte“ und eine „neue“ Version dieser Schnittstelle. Während die alte noch sehr weitgehenden Zugriff auf den Switch erlaubt und es ermöglicht, das volle Potential des Switches auszuschöpfen, ist die neue etwas „abstrakter“ gehalten, was dazu führt, dass man nur noch zwischen verschiedenen vordefinierten Konfigurationen auswählen kann. Wer vollen Zugriff braucht, kann aber die alte Schnittstelle durch Hinzufügen von 2 Zeilen Kernelquellcode wieder aktivieren, für den danisahne-mod gibt es einen Patch (für ds-0.2.9_26-13), der diese Zeilen einfügt. Der Patch ist in den neueren ds26-Versionen (ab ds26-14) bereits standardmäßig enthalten. Es muss dann natürlich noch „replace kernel“ während „make menuconfig“ gewählt werden.
Das Tool cpmaccfg funktioniert auch beim Speedport W900V.
Einen Patch für den dsmod, der das Paket cpmaccfg hinzufügt, gibt es in diesem Beitrag.
Das cpmaccfg-Paket ist inzwischen auch fester Bestandteil des ds26-Zweigs.
AVM selbst hat im Kernelmodul schon verschiedene vordefinierte Konfigurationen hinterlegt, eine ist davon ist die bereits erwähnte Variante „Internetzugang via LAN 1“, intern als ATA-Modus bezeichnet. Hier ein Überblick über alle vordefinierten Modi:
Richtig Sinn ergibt das Wechseln des Modus natürlich nur, wenn man das Häkchen bei „Alle Computer befinden sich im selben Subnetz“ nicht setzt, weil sonst alle verfügbaren Devices in eine Bridge gesteckt werden.
Den aktuellen Modus kann man mit Hilfe von cpmaccfg gsm abfragen, setzen ist mit cpmaccfg ssm zielmodus möglich.
Mit einem gepatchtem Kernel ist auch möglich, eigene individuelle Port-Konfigurationen zu erstellen. Dazu dient der Modus „special“, der quasi als Platzhalter für eine Konfiguration im Kernel vorhanden ist. Dieser Platzhalter muss zunächst mittels cpmaccfg ssms … gefüllt werden, anschließend kann mit cpmaccfg ssm special auf diese Konfiguration umgeschaltet werden.
Die Nutzung des Special-Modus hat den Nachteil, dass die Modus erst während des Startvorganges der Box aktiviert werden muss. Bei einer Änderung des standardmäßig in der Box verwendeten Modus, wie z.B. NORMAL oder ATA, wird der Switch automatisch beim Starten der Box passend aufgeteilt.
Für diese Änderung ist es notwendig, den gewünschten Modus in der Datei linux-2.6.19.2/drivers/net/avm_cpmac/cpphy_adm6996.c zu patchen. Das folgende Beispiel beschreibt die Aufteilung des Switch in die beiden Interface eth0 mit LAN1 und LAN2 sowie eth1 mit LAN3 und LAN4. Der folgende Patch wurde für eine 7270 mit Firmware 76 erstellt.
+++ linux-2.6.19.2/drivers/net/avm_cpmac/cpphy_adm6996.c 2009-08-20 10:57:14.000000000 +0200
@@ -137,9 +137,10 @@
{ {"", 0x0}
}
},
- /* CPMAC_MODE_NORMAL */ { 1, 0xff,
- { {"eth0", 0x2f}
- }
+ /* CPMAC_MODE_NORMAL */ { 2, 0xff,
+ { {"eth0", 0x23},
+ {"eth1", 0x2c}
+ }
},
/* CPMAC_MODE_ATA */ { 2, 0,
{ {"wan", 0x21},
Den Patch in das Verzeichnis /make/linux/patches/2.6.19.2/ oder ggf. Unterordner wie z.B. 7270_04.76 kopieren.
make menuconfig
Box konfigurieren und die Option „Replace Kernel“ auswählen
Bestehenden Kernel löschen:
make kernel-dirclean
Kernel-Sourcen bereitstellen und Patchen
make kernel-source
Hier kann noch kontrolliert werden, ob der Patch korrekt durchgeführt wird. z.B.:
applying patch file make/linux/patches/2.6.19.2/7270_04.76/990-cpmac.patch patching file linux-2.6.19.2/drivers/net/avm_cpmac/cpphy_adm6996.c
Dann noch das Image erstellen:
make
Die Anpassungen der ar7.cfg stellen sicher, dass die Änderungen auch bei verschiedenen Konfiguationsänderungen, wie z.B. Aus- und Einschalten des Wlan bestehen und und automatisch konfiguriert werden und bleiben.
Kopie der ar7.cfg erstellen und diese bearbeiten:
cd /var/tmp cat /var/flash/ar7.cfg > ar7.cfg
Box darf muss sich im Modus „Router“ befinden, dies wird mit der Option „ethmode“ in der ar7.cfg eingestellt.
ethmode = ethmode_router;
Dann muss noch der Bereich „ethinterfaces“ verändert werden.
Bei der Konfiguration ist folgendes zu beachten. Nur den dort vorhandenen wird eine IP-Adresse zugewiesen. Alle anderen Interfaces existieren zwar und können über ifconfig abgefragt oder ggf. manuell konfiguriert werden.
Bei den Devices kann über die Option „interfaces“ Bridges automatisch gebildet werden. Das folgende Beispiel beschreibt die Konfiguration zweier Devices intern und extern.
Das Device „extern“ wird aus dem Interface „eth1“ mit der Adresse 192.168.1.1 gebildet, das Device „intern“ aus eth0 und den verschiedenen WLan-Interfaces mit der Adresse 192.168.0.1.
ethinterfaces {
name = "extern";
dhcp = no;
ipaddr = 192.168.1.1;
netmask = 255.255.255.0;
dstipaddr = 0.0.0.0;
interfaces = "eth1";
dhcpenabled = no;
dhcpstart = 0.0.0.0;
dhcpend = 0.0.0.0;
} {
name = "eth0:0";
dhcp = no;
ipaddr = 169.254.1.1;
netmask = 255.255.0.0;
dstipaddr = 0.0.0.0;
dhcpenabled = yes;
dhcpstart = 0.0.0.0;
dhcpend = 0.0.0.0;
} {
name = "intern";
dhcp = no;
ipaddr = 192.168.0.1;
netmask = 255.255.255.0;
dstipaddr = 0.0.0.0;
interfaces = "eth0", "ath0", "wdsup1", "wdsdw1", "wdsdw2",
"wdsdw3", "wdsdw4";
dhcpenabled = no;
dhcpstart = 192.168.0.20;
dhcpend = 192.168.0.200;
}
Dann die bestehende ar7.cfg durch die veränderte Datei überschreiben:
cat /var/tmp/ar7.cfg > /var/flash/ar7.cfg
Dann die Änderungen mit einen Reboot oder ar7cfgchanged aktivieren.
Die vier Ports sollen in zwei Gruppen aufgeteilt werden: LAN 1 und LAN 2 sollen für das interne Netz zur Verfügung stehen (als eth0), LAN 3 und LAN 4 werden zwei Freifunk-Router angeschlossen, die zusammen in einem seperaten Subnetz stecken (als eth1), vom internen LAN also getrennt sein sollen.
Ruft man cpmaccfg ohne weitere Parameter auf, erscheint eine knappe Übersicht über Kommandos und Parameter. Damit ermittelt man, welche PORTMASK für die jeweiligen Interfaces zu verwenden ist. Diese Portmaske ergibt sich aus der Logischen-Oder-Verknüpfung der jeweiligen Portkonstanten. Das sind folgende Werte: LAN 1 = 0x01, LAN 2 = 0x02, LAN 3 = 0x04, LAN 4 = 0x08 und der CPU-Port ist 0x20.
Für das obige Beispiel muss also folgender Befehl aufgerufen werden: cpmaccfg ssms eth0 0x23 eth1 0x2c. Man beachte, dass in beiden Portmasken der CPU-Port eingeschlossen wurde. Macht man dies nicht, entsteht zwar das Interface, es „sieht“ aber keinen Traffic (noch nicht probiert, zu überprüfen).
Anschließen kann mit cpmaccfg ssm special diese Konfiguration aktiviert werden.
Beim Booten startet die Box immer im Modus normal, d.h.: wie und wo man auch immer die Umschaltung in den gewünschten Modus realisiert (z.B. per debug.cfg oder in einem Startup-Skript des dsmod), es existiert immer eine gewisse Zeitspanne, in der sich alle vier Ports im gleichen „Layer 2-Subnetz“ befinden. Erst nachdem die Umschaltung erfolgt ist, befinden sich die Ports in getrennten „Layer 2-Netzen“. Erst dann muss eine Kommunikation über Layer 3 (IP-Ebene) erfolgen, wo eventuelle iptables-Regeln greifen.
Wer diese Zeitspanne vermeiden muss/will, muss den Kernel direkt patchen.
Schon bevor der Kernel bootet, wird der Switch vom Bootloader als normaler Switch konfiguriert. Die Konfiguration im Kernel umzustellen verkürzt die Zeitspanne etwas, beseitigt aber nicht das grundsätzliche Problem.
Da für den Bootloader keine Quelltexte frei verfügbar sind, wäre ein Anpassung schwierig.