Einrichtung einer Fritz!Box Fon direkt an einem Kabelmodem

Der wesentliche Unterschied zwischen dem Betrieb einer Fritz!Box Fon an einem DSL-Anschluß gegenüber einem Kabelmodem besteht darin, daß bei DSL eine Verbindung mit dem Provider über PPPoE, PPPoA oder PPTP aufzubauen ist, während beim Betrieb am Kabelmodem nur gewöhnliche IP-Protokolle verwendet werden.

Der DSL-Anschluss der Fritz!Box Fon bleibt daher ungenutzt, d.h. eine DSL-Buchse an der Fritz!Box Fon wird nicht mit einem Kabel belegt und ein ggf. vorhandenes DSL-Ende eines Y-Kabels wird nicht mit irgendetwas verbunden.

Besonderheiten

Bei bestimmten Anbietern (z.B. BlueCable oder InfoCity) werden die für den Internetzugriff zugelassenen MAC-Adressen nicht automatisch im Kabelmodem gespeichert, sondern müssen z.B. über das Kundenmenü des Anbieters registriert bzw. freigeschaltet werden. Hier muß entweder die MAC-Adresse der Fritz!Box Fon (LAN A) angemeldet werden oder aber man trägt die bisher registrierte Adresse (des PCs) bei der Einrichtung des Internetzugangs in der Fritz!Box Fon ein (Clonen der MAC-Adresse).

Besonderheit bei Netcologne Multikabel (bisher nur dort): Hier werden Zugangsdaten benötigt, sonst Vorgehensweise wie im folgenden (Zugang über LAN A).

Bei allen anderen Anbietern (z.B. Kabel Deutschland, Kabel-BW) registriert das Kabelmodem dynamisch nach Einschalten die MAC-Adresse des ersten aktiven Geräts, das am Ethernet oder USB-Port gefunden wird. Je nach Vertragsgestaltung ist ggf. nur eine IP-Adresse zur Zuteilung vorgesehen, d.h. vor Anschluss eines anderen Geräts muss das Kabelmodem kurz stromlos gemacht werden, um die Registrierung des alten Geräts zu entfernen.

Vorgehensweise zur Einrichtung

  • Kabelmodems sollten vor Ersteinrichtung für ca. 5 Minuten vom Strom getrennt werden, damit etwa gespeicherte MAC-Adressen gelöscht werden. Nach Einschalten des Kabelmodems wird dieses seine Bereitschaft durch irgendwelche, typischerweise grünen LEDs signalisieren. Nun kann ein angeschlossenes Gerät (Router, VoIP-Gateway, PC) per DHCP eine IP-Adresse beziehen (als Defaultrouter wird die Gegenstelle beim Provider vergeben).
  • Es werden zwei LAN-Anschlüsse an der Fritz!Box Fon benötigt. Über LAN-A erfolgt der Anschluß an das Kabelmodem. LAN-B wird an einen Switch oder direkt an einen PC lokal angeschlossen. Die Konfiguration am Kabelmodem ist ab der Firmware-Version *.03.85 möglich. Geräte mit nur einer LAN-Schnittstelle können auch theoretisch genutzt werden, wenn sich Endgeräte dann per USB oder WLAN mit der Fritz!Box Fon verbinden.
  • Unter „Internet → Zugangsdaten“ werden „Internetzugang über LAN A“ und „Internetverbindung selbst aufbauen (NAT-Router mit PPPoE oder IP)“ sowie „Zugangdaten werden nicht benötigt (IP)“ ausgewählt. Bei Geräten mit mehr als zwei LAN-Schnittstellen wird statt „LAN A“ die Bezeichnung „LAN 1“ verwendet. Unter Umständen muss bei einigen Routern das Seiten-CSS ausgeschaltet werden, damit der Menüpunkt „Internetzugang über LAN A“ sichtbar wird: In Opera geht man dazu wie folgt vor: „Opera“ → „Seite“ → „Seitendarstellung“ → „Benutzermodus“.
  • Die IP-Adresse ist automatisch per DHCP (DHCP-Hostname bleibt leer) zu beziehen, wobei die Hinweise des vorangegangenen Abschnitts über Besonderheiten einzelner Anbieter gelten. Funktioniert dieser Schritt nicht, so liegt es mit hoher Wahrscheinlichkeit an einem Problem mit MAC-Adressen.
  • Traffic Shaping wird eingeschaltet und die entsprechenden Bandbreiten des Kabel-Internetzugangs werden manuell eingetragen. Die tatsächlichen Bandbreiten des Internetzugangs (insbesondere für die Richtung zum Provider) können je nach Auslastung der Kabel-Rückkanäle von den beauftragten Maximalbandbreiten differieren. Dies ist ggf. beim Eintrag der Bandbreiten zu berücksichtigen.
  • Die MAC-Adresse der Fritz!Box Fon bleibt normalerweise unverändert. Je nach Kabelprovider (siehe Besonderheiten oben) muß die MAC-Adresse ggf. beim Anbieter registriert werden oder ein Clonen der registrierten Adresse ist erforderlich.

Damit arbeitet die Fritz!Box Fon als NAT-Router am Kabelmodem und kann per LAN-B oder WLAN ein lokales Netz bedienen bzw. per USB ein Endgerät anschließen.

Hinweis für Fritz!Box Fon WLAN 7170 (7140): Laut FAQs von AVM funktionieren Geräte mit älteren Seriennummern nicht am Kabelmodem. Die Konfiguration ist inoffiziell dennoch möglich, wenn man die Seite für Internet-Konfiguration im Web-Browser mit ausgeschalteter Interpretation von CSS öffnet. Dadurch werden versteckte Felder (z.B. Zugang über LAN 1) sichtbar. *VORSICHT:* Diese „älteren“ Boxen lassen sich nur als IP-Client verwenden, d.h. es verhält sich so, als wäre der PC direkt am Modem angeschlossen. Verbindungen über einen 2. PC/WLAN funktionieren nicht. Laut AVM Hotline handelt es sich bei den älteren, nicht funktionierenden Boxen um die Seriennummerkreise

  • ####.229.00.000.001 - ####.229.00.004.641
  • ####.228.00.000.001 - ####.228.00.187.671 und
  • ####.221.00.000.001 - ####.221.00.999.999.

Test der Verbindung

Nach erfolgreicher Konfiguration sollte die Fritz!Box Fon eine IP-Adresse vom Kabelmodem zugewiesen erhalten. Der Internetzugang kann über einen angeschlossenen PC oder direkt durch Test mit ping auf einen bekannten Internet-Server (z.B. www.google.de ) getestet werden.

Achtung: Ist die Konfiguration der Fritz!Box Fon nicht korrekt erfolgt oder wurde das Kabelmodem nicht an LAN A/LAN 1 angeschlossen, so arbeitet die Fritz!Box Fon ggf. nur als Switch, d.h. alle anderen angeschlossenen Endgeräte sind quasi mit dem Kabelmodem verbunden. Nur das erste anfragende Gerät erhält vom Kabelmodem eine IP-Adresse. Von allen anderen Geräten ist der Internetzugang dann nicht möglich. Man kann diese Fehlkonfiguration leicht daran erkennen, daß die dem funktionierenden PC zugewiesene IP-Adresse eine öffentliche IP-Adresse ist, d.h. keine Adresse aus dem definierten LAN/WLAN-Bereich der Fritz!Box Fon.

Achtung: Manche Kabelmodems erfordern laut Anleitung ein Crossover-Kabel für den Anschluss von Endgeräten oder von Hubs/Switches. Die Fritz!Box Fon Modelle verfügen über Autosensing der Belegung und können daher generell mit einem gerade durchverbundenen Kabel angeschlossen werden.

Achtung: Mitunter ist es wichtig, in welcher Reihenfolge die Geräte angeschaltet werden. Diese Reihenfolge funktioniert auf jeden Fall:

  1. Konfiguration der FritzBox vornehmen wie beschrieben
  2. Kabelmodem, FritzBox, alle an die FritzBox angeschlossenen Geräte ausschalten
  3. 10 Sekunden warten
  4. FritzBox einschalten und warten, bis sie vollständig gestartet ist
  5. Kabelmodem einschalten
  6. Warten, bis die FritzBox vom Kabelmodem eine IP-Adresse erhalten hat (grüne LED leuchtet)
  7. nun können alle an die FritzBox angeschlossenen Geräte eingeschaltet werden

Die Einschaltreihenfolge sollte z.B. auf jeden Fall dann gewählt werden, wenn das erste an die FritzBox angeschlossene Gerät die öffentliche IP-Adresse des Kabelmodems erhält, alle weiteren angeschlossenen Geräte aber nur interne IP-Adressen, mit denen kein Zugriff auf das Internet möglich ist.

Telefonie über den Kabelanbieter

Manche Kabelmodems verfügen über ein oder zwei zusätzliche Anschlüsse für Telefonie über Kabel. Kabelanbieter stellen mit ihrem Kabel-Internet-Tarif (z.B. Kabel BW, Kabel Deutschland) oder als separates Angebot analoge oder ISDN-Telefonie auf diesem Weg zusätzlich zum Internetzugang bereit.

Der Telefonanschluß ist je nach Ausführung wie ein gewöhnlicher analoger oder ISDN-Amtsanschluß verwendbar, d.h. kann z.B. auch mit einer Fritz!Box Fon als analoges oder ISDN-Amt genutzt werden. Hierzu ist die besondere Verkabelung zu beachten.

  • Analoger Anschluss: der einfachste Weg ist die Nutzung eines RJ11(Stecker)-TAE(Buchse)-Adapters, der einerseits an das Kabelmodem, andererseits mit dem Original-Fritz!Box Fon-Kabel verbunden wird.
  • ISDN-Anschluss: derzeit nur bei Kabel-BW mit einem ISDN-fähigen Kabelmodem bzw. bei Anbietern mit einem analog/ISDN-Konverter verfügbar. Der Anschluss erfolgt ohne Adapter direkt mit einem ISDN-Kabel (RJ45 Stecker, gerade durchverbunden).

Damit die Fritz!Box Fon nicht versucht, die Anwahl von Codes, die mit „*“ beginnen, als boxinternen Befehl zu interpretieren, muss die Sequenz „*#“ vorgewählt werden, dann klappt auch die Anwahl z.B. des Netzanrufbeantworters und die Verwendung von Steuersequenzen.

Beispiele bei Kabel BW:

  • *#*61# für Rufumleitung zum Anrufbeantworter
  • *#*123# für Anruf zum Anrufbeantworter
  • *#*31Zielrufnummer# für fallweise Rufnummerunterdrückung

Beispiele bei Unitymedia:

  • *#*31Zielrufnummer für fallweise Rufnummerunterdrückung

Weitere Details zum Anschluss der Telefonie sind in einem separaten Artikel beschrieben.

Achtung: für die Telefonie über Kabelmodems wird ggf. VoIP (SIP/RTP, MGCP, H.323) verwendet, vielleicht auch H.323 über ein Encapsulation-Protokoll auf niedriger Ebene nur bis zum Konzentrator seitens des Kabelproviders. In jedem Fall ist dies kein gewöhnliches VoIP, das in einem vom Kunden betriebenen SIP-VoIP-Gateway mitkonfiguriert werden könnte bzw. man kann in den Kabelmodems nicht seine eigenen SIP-Provider (GMX, sipgate, etc.) eintragen.

Mehr Details zu den Optionen der Nutzung der Kabel-Telefonie findet man hier im Wiki.

 
gateways/avm/fbf/kabel.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/29 18:53 von zeR
 
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