Einstieg in Fax over IP (FoIP)

Auch faxen über das Internet (FoIP) ist möglich. Allerdings geht dies derzeit in den meisten Fällen noch mehr schlecht als recht. Die Installation ist an sich ganz einfach: Man schließt ein Faxgerät an den FXS-Port eines VoIP-Adapters bzw. wenn der Router einen VoIP-Adapter bereits integriert hat, an den Router selbst an. Alternativ kann man auch eine auf dem CAPI-Treiber basierende ISDN-Fax-Software mit einem VoIP-CAPI-Treiber benutzen, der eine ISDN-Karte simuliert.

Anders als das Telefonnetz ist das Internet kein „garantiertes“ Netzwerk. Vielmehr gehen hier immer wieder Datenpakete verloren, es treten Latenzzeiten oder Jitter auf. Im Gegensatz zum Festnetz gibt es auch keinen zentralen Taktgeber; vielmehr wird der Abtast-Takt (z.B. 64000 Samples/Sek. bei G.711) von den einzelnen Teilnehmern lokal erzeugt; kleinste Abweichungen führen unvermeidlich dazu, dass die Übertragung etwas aus dem Tritt kommt. All dies spielt bei der Übertragung menschlicher Sprache keine große Rolle, da man das Gegenüber auch dann noch versteht, wenn einzelne Datenbits bei der Übertragung verloren gehen oder aber zeitlich verzögert ankommen. Anders jedoch beim Telefax: Das Fehlen eines einzigen IP-Datenpakets kann zum Abbruch der gesamten Übertragung führen.

Fax über Internet kann derzeit, wenn überhaupt, nur dann funktionieren1), wenn als Übertragungscodec G.711a 2) (verlustfreier Codec; Festnetzqualität) zum Einsatz kommt. Der VoIP-Adapter muss also fest auf diesen Codec eingestellt sein. Für Sprache optimierte bandbreiten-sparende Codecs wie z.B. GSM sind für die bei der Faxübertragung benutzten Modemsignale ungeeignet.

Auch die Qualität der Internetanbindung selbst ist entscheidend. Gleichwohl kommt es auf Grund von Paketverlusten immer wieder zu Abbrüchen beim Faxversand oder zu Problemen beim Empfang.

Um diese Probleme zu lösen, ist hierfür ein spezielles Protokoll entwickelt worden: T.38 (RFC 3362). T.38 beinhaltet zwei Methoden der Fehlerkorrektur um kleinere Paketverluste wiederherzustellen: der Datenstrom wird doppelt verschickt und es werden Prüfsummen (CRCs) mitgeschickt. Auf diese Weise kann das empfangende Gateway Datenverluste erkennen und aus dem zweiten Datenstrom wiederherstellen. Hinzu kommt die Verwendung von FEC (forward error correction), welche am Ende jedes Datenpakets angehängt wird.

Um T.38 verwenden zu können, muss sowohl der eigene VoIP-Adapter als auch das Gateway des VoIP-Anbieters T.38 unterstützen. Derzeit wird dieses Protokoll noch nicht von vielen VoIP-Endgeräten unterstützt und aktuell auch nur von äußert wenigen VoIP-Anbietern.

Eine Alternative sind manchmal Fax2mail bzw. Mail2Fax-Anbieter, ob die Kosten und die Stabilität den Ansprüchen genügt, muss jeder selbst entscheiden. Firmen werden dabei sicher anspruchsvoller sein und sich genau überlegen ob die Kosteneinsparungen den zusätzlichem Aufwand und das Risiko der niedrigeren Verlässlichkeit rechtfertigen.

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1) gänzlich ungeeignet sind die Codecs G.729 und schlecht geeignet T.30
2) Genaue Einstellungen: den Buffer für die Line runter, Echo-cancellation aus, Comfort-Noise & Noise suppression aus.
 
allgemeines/einstieg_in_foip.txt · Zuletzt geändert: 2007/10/15 01:25 (Externe Bearbeitung)
 
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